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Mehr Farbe für ein schöneres Selb
Pressebericht der Frankenpost vom 14.10.2008
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Kunstprojekt | Die Aktiven Bürger wollen in der Porzellanstadt mit einem Regenbogen den Zutritt zum Marienplatz attraktiver gestalten. Professor Otto Piene würde das Objekt gestalten, wenn der Stadtrat ja sagt.
„Wir werden ein Teil der Kunstgeschichte, wenn wir das machen.“ Klaus Cullmann gerät ins Schwärmen, wenn er von seiner Idee erzählt, die Selb Ruhm und Besucher einbringen soll: ein großes Regenbogen-Tor für den Marienplatz. Doch nicht irgendwer soll das bunte leuchtende Kunstwerk gestalten. Cullmann, einer der ehemaligen Köpfe der Rosenthal-Kreativabteilung, hat einen Künstler von Weltformat für dieses Projekt interessieren können: Professor Otto Piene ist bereit, das Stadttor zu gestalten. „Selb ist bisher schon Kunststadt, daher würde dieses Projekt sehr gut dazu passen“, meint Cullmann, der für die Aktiven Bürger im Stadtrat sitzt und hofft, dass er dort eine Mehrheit für das Vorhaben findet. Er hat bereits eine Reihe von Unterstützern: „Alles Leute, die mit Kunst zu tun haben und die über den Tellerrand schauen.“ Im Selber Stadtrat ist man sich noch nicht einig, ob mit dem Kunstwerk der Stadteingang West verschönert werden soll. Derzeit sammelt Cullmann alle wichtigen Details, damit er sie bei einer der nächsten Sitzungen vorlegen kann. Auch ein Modell des Regenbogens wird er mitbringen – bezahlt von den Aktiven Bürgern. Denn einige Stadträte haben Bedenken, dass das Piene-Regenbogen-Tor zu viel kostet und verweisen auf die angespannte finanzielle Situation in der Porzellanstadt. Etwa 120 000 Euro müssten laut Cullmann für die Piene-Schöpfung aufgebracht werden. Allerdings hofft er auf eine hohe Förderung und auf zahlreiche Sponsoren. Cullmanns Vorbild bei dieser Idee ist sein ehemaliger Chef, Philip Rosenthal. Dessen zentrales Anliegen war die „gestaltete Umwelt“ mit originaler Kunst und zeitgemäßem Design zur Erhöhung der Lebensqualität des Einzelnen. „Schon damals hatte ich mit namhaften Künstlern wie Gropius, Piene und Hundertwasser zu tun. Rosenthal wusste, welchen internationalen Werbeerfolg diese Künstler seinem Unternehmen bringen.“ 1973 gestaltete Otto Piene für Rosenthal bereits das farbenfrohe Regenbogenhaus. „Piene und Regenbogen gehören einfach zusammen“, sagt Cullmann. Am 1. Mai war Professor Piene bereits in Selb, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Der Gründer der Künstlergruppe ZERO hat dabei festgelegt, dass er für das Tor Blechrohre in Regenbogenfarben verwenden möchte. Die äußere Breite soll 20 Meter messen, die Höhe 10 Meter, damit auch große Laster und Busse ohne Probleme durchfahren können. Der 80-Jährige wird das Werk so schaffen, dass Lichtreflexe durch den Regenbogen leuchten können. „Jedes Kind will einmal durch den Regenbogen laufen und einen Schatz finden. Hier ist es möglich“, sagt Cullmann und sieht dies als ganz außergewöhnliches Marketing. 
Mit dem westlichen Stadteingang sei Selb schon seit mehreren Jahren unzufrieden, schildert der stellvertretende Fraktionsvor-sitzende der Aktiven Bürger. „Die Häuser dort sind nicht mehr schön, und die Leute, die darin wohnen, haben kein Geld, sie herzurichten.“ „Kunstwerke sind belebende Elemente für eine Stadt“, meint der Selber Oberbürgermeister Wolfgang Kreil. „Aber sie müssen passen und finanziert sein.“ Professor Otto Piene sei ein namhafter Künstler und seine Werke daher sicherlich nicht preiswert. Der Bogen müsse zudem so stabil sein, dass er Sturmlast aushalte und groß genug für Lastwagen. Kreil weiß wohl, dass Piene bereits das Regenbogenhaus gestaltet hat. „Aber auch das hat die Porzellanindustrie nicht vor Widrigkeiten verschonen können. Es lag eben nicht unter jedem Ende des Regenbogens ein Topf mit Gold“, sagt Kreil. Bisher sei das Regenbogen-Tor lediglich eine Idee von Klaus Cullmann. „Ich habe mich mit dem Werk noch nicht befasst, da bisher kein Auftrag des Stadtrats vorliegt. Es gibt für den Bereich Marienplatz noch keine abgestimmte Planung.“ Bislang sei noch nicht einmal klar, ob an dieser Stelle ein Kreisverkehr oder eine abknickende Vorfahrtsstraße entstehe. Außerdem möchte Kreil zufolge ein größerer Investor im Bereich Marienstraße ein großflächiges Areal aufkaufen. Ob dies möglich ist, prüft gerade eine Immobilienfirma. „Derzeit herrscht ein kunterbuntes Durcheinander, wenn es um die Frage geht, was mit dem Marienplatz geschehen soll“, stellt der Oberbürgermeister fest. „Das Regenbogen-Tor ist nicht unser erstes Problem.“ Der mögliche Investor könne sich allerdings vorstellen, den Piene-Regenbogen mit in sein Konzept einzubauen.
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