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Kampf den leeren Fenstern
Uli Pötzsch hat eine Idee, wie den vielen Leerständen in der Innenstadt optisch entgegengewirkt werden kann. Sein Konzept sieht die Vermietung von Schaufenstern vor. Etliche Hausbesitzer, aber auch Werbepartner haben bereits Interesse bekundet.
Selb - Uli Pötzsch möchte dazu beitragen, seine Heimatstadt lebens- und liebenswert machen. Deshalb sind ihm die vielen leerstehenden Ladengeschäfte in der Innenstadt ein Dorn im Auge. Folglich hat er sich Gedanken gemacht, wie man diese Leerstände, die das Stadtbild enorm beeinträchtigen, vermeiden kann. Und er hat eine gangbare Lösung gefunden, die er gestern dem Selber Tagblatt vorstellte.
Am Anfang seiner Überlegungen standen die Fragen: Was kann für die Eigentümer, in deren Häusern sich leerstehende Geschäfte befinden, attraktiv sein? Wie können die Schaufenster während der Übergangszeit, bis das Geschäft wieder vermietet ist, genutzt werden? Pötzsch ist davon ausgegangen, dass den Hausbesitzern an Mieteinnahmen gelegen ist. So kam er auf die Idee, die leeren Schaufenster zu vermieten. „Auf diese Weise haben die Eigentümer eine kleine Einnahme, mit der sich vielleicht Nebenkosten deckeln lassen", folgerte Pötzsch. Das Geschäft an sich bleibt leer und kann mit einem speziellen Schild dahingehend beworben werden.
Auf der anderen Seite kennt der Selber Stadtrat viele Firmen, Dienstleister und Handwerker, die sich und ihr Geschäft nur schwer präsentieren können, da es entweder über kein Schaufenster verfügt oder dezentral - in einem Randbereich oder Ortsteil -liegt. Auch Vereine, Gastronomiebetriebe, Anbieter von Ferienwohnungen, soziale Einrichtungen und ähnliches könnten mit einem; Schaufenster in der Innenstadt auf sich aufmerksam machen.
Keine halben Sachen
Wer Uli Pötzsch kennt, kann sich vorstellen, dass der engagierte Selber keine halben Sachen macht. Daher hat er bereits Kontakte aufgenommen. „Und sowohl die bisher angesprochenen Hauseigentümer wie auch die Werbepartner sind begeistert", freut er sich. Auch einen detaillierten Mietvertrag hat er schon ausgearbeitet, der ganz kurzfristig - innerhalb von vier Wochen - gekündigt werden kann. Das ist wichtig, sollte der Hauseigentümer einen neuen Mieter für sein Ladengeschäft finden.
Das von Pötzsch entworfene Werbeschild macht unmissverständlich deutlich, dass das Geschäft zu vermieten ist. Somit wird durch das vermietete und dekorierte Schaufenster kein falscher Eindruck erweckt. Der Mietvertrag erlaubt eine zeitlich befristete Schaufenstervermietung ebenso wie die Vermietung einzelner Fenster. „Den Vertragsparteien stehen alle Türen offen", erklärt Pötzsch, weshalb das Interesse bereits groß ist.
Der Mietvertrag legt eindeutig die Leistungen des Vermieters und Mieters fest, der sich beispielsweise dazu verpflichtet, einen entsprechenden Schaufensterhintergrund zu schaffen. Ebenso muss der Mieter ein witterungsbedingtes Beschlagen und Vereisen des Schaufensters dulden, wovon im Winter auszugehen ist ,zumal die leer stehenden Räume meist nicht geheizt werden. Hinsichtlich der Dekoration des Schaufensters vermittelt Pötzsch den Mietern gerne den Kontakt zu einer Dekorationsfirma.
Als Mietpreis pro Schaufenster hat Pötzsch 15 Euro monatlich festgelegt - „ein Betrag, den jeder, der etwas bewerben möchte, aufbringen kann", ist sich der Selber sicher. Besonders freut er sich über die bereits vielfach signalisierte Bereitschaft von Vermietern und Werbepartnern, „sodass sich die Sache, wenn sie erst einmal läuft, sicherlich ausbauen und sogar auf andere Orte übertragen lässt".
Pötzsch tritt in der Funktion des Vermittlers auf. „Ich stelle die Kontakte her und bringe die Interessierten zusammen." Auch ist er Ansprechpartner beim Wechsel des Werbepartners oder bei Kündigung. Pötzsch geht es dabei vorrangig um die Innenstadt und speziell die Ludwigstraße, aber das Konzept lässt sich natürlich auch auf Nebenstraßen wie die Hutschenreuther-Straße ausdehnen, wo es ebenfalls viele Leerstände gibt.
Eine Übergangslösung
Sein Konzept habe auch Hauseigentümer überzeugen können, die bisher ihr Geschäft lieber leerstehen ließen. Im Moment sei eine eher abwartende Haltung spürbar im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen beim Kaufhaus Storg und dem Factory Outlet Center. „Und gerade da bietet sich die Schaufenstervermietung als Übergangslösung an", sagt Pötzsch. Die Hauseigentümer seien interessiert, so hätten einige ihr Entgegenkommen zum Beispiel im Hinblick auf Strom und ähnliches signalisiert. Auch das einheitliche Werbeschild „Geschäft zu vermieten...", das die Schaufenstermieter anbringen müssen und die Hauseigentümer anbringen können, ist eine saubere Sache. Es gibt auf jeden Fall ein schöneres Bild, als die handgeschriebenen Zettel, die jetzt überall in den Fenstern hängen.
Pötzsch ist aufgrund der positiven Signale sehr optimistisch. „Ich mache die Sache jetzt öffentlich, da ich kaum Gegenwehr, sondern nur gute Resonanz erfahren habe. Ich denke, die Zeit ist reif, das Projekt anzugehen", sagt der Initiator des Selber Seniorenbusses, der über ein halbes Jahr darüber gebrütet hat und nun zu einer —wie es scheint - guten Lösung gekommen ist.
Informationsveranstaltung am Mittwoch
Alle Interessierten lädt Ulrich Pötzsch am Mittwoch, 28. September, um 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung in den kleinen Saal der Jahnturnhalle ein. Willkommen sind alle Hausbesitzer, die ihre Schaufenster vermieten möchten, sowie alle, die ihr Angebot mit einem Schaufenster in der Innenstadt bewerben wollen. Bei der Veranstaltung wird Pötzsch das Projekt erläutern, ebenso den Mietvertrag. Vielleicht kommt ja noch die eine oder andere gute Idee dabei heraus. Eventuell können nach diesem Abend" auch schon die ersten Verträge abgeschlossen werden. Pötzsch bittet alle Interessierten, sich baldmöglichst bei ihm unter der Rufnummer 0171/ 3530038 zu melden, „da die Zuckerstückchen in zentraler Lage vermutlich schnell ausgebucht sind".
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